Die Kunst ist per se verortet: im Werk als Bildraum, im Kontext ihres Schauplatzes, im Kopf des Betrachters, im Umfeld ihrer Zeit. Diese Ortsbezüge zwischen Werk, Betrachter und heutiger Lebenswirklichkeit interessieren mich.

Meine Arbeit ist immer eine Bestandsaufnahme vorgegebener Raumverhältnisse und ihrer Nutzung. In diesem Rahmen versuche ich Freiräume aufzuspüren, Spielräume zu schaffen und mögliche andere Sichtweisen und Bezüge herauszustellen, um in eine vorgegebene Struktur Bewegung zu bringen. Dabei sind meine bildhauerischen Eingriffe immer ortsspezifisch und maßgeschneidert. Sie können nicht einfach in einen anderen Raum oder Kontext versetzt werden.

Ich verwende planes Glas, was durch seine geringe Stärke und Durchsichtigkeit optisch und haptisch kaum über eine Tiefe verfügt. Sein Gewicht, seine Fragilität jedoch vermitteln eine körperlich spürbare gravitätische Aura. Das hohe Reflexionsvermögen, vor allem der Antelio Gläser, animiert den Betrachter zur Bewegung, zum spielerischen Wechsel der Standpunkte, da die Oberfläche des Glases immer andere Perspektiven reflektiert, verzerrt oder vervielfältigt als der durch die Glasfläche geschaffene Raum.

Als Bildhauerin versuche ich, einen Raum nicht nur nicht nur visuell mittels Auge und Licht zu erkunden. Mir geht es vielmehr darum, sich selbst als maßgeblichen Bestandteil in Relation zu seinem Umfeld zu bringen. Die eigene Bewegung ermöglicht es, Schwerkraft und Raumtiefe auch als physisch-psychisches Ereignis zu begreifen und über die Gewinnung von Perspektiven und Standpunkten hinaus, neue Handlungsspielräume zu eröffnen.

Darum agiere ich als Bildhauerin nicht nur als Teil und im Rahmen der Kunstwelt sondern entwickle für und im Kontext von Orten und Räumen heutiger Lebenswirklichkeit, meine Arbeit. Dazu gehört seit 1998 auch die Konzeption des Kunstprojekts Total 3000 im Einkaufszentrum und Stadtraum von Altenessen gemeinsam mit Fabian Weinecke und dem Maschinenhaus/Carl-Stipendium e. V..

Harriet Wölki, 2002