Mosaik - die Pixel der Antike

 

Kultur und Schule Projekt 2010/11

  • Thema: Die Eigenheiten, Traditionen und Möglichkeiten eines additiven Bildverfahrens kennenlernen und anwenden

    Ziel: Die Bild- und Raumwirkung eines Mosaiks entdecken im Vergleich zur digitalen Bildauflösung oder Malerei

    Endprodukt: Mosaikbild als Wandgestaltung der Schülertoiletten

    Ich möchte die besondere Wirkweise einer uralten, traditionsreichen Maltechnik vorstellen, die im Umfeld Gelsenkirchens immer wieder an und in Bauten des 19./20. Jahrhunderts zu sehen ist: Wandgestaltungen aus Mosaiksteinen.

    Diese Technik erfährt im Zeitalter der digitalen Bildauflösung und Fotografie eine neue, hochaktuelle Anwendung durch zeitgenössische Künstler wie den Bildhauer Stefan Huber. Seine Bildnisse berühmter Personen in den Wandgestaltungen „Frankfurter Treppe“ im Maintower Frankfurt und sein „Leipziger Stifterbild“ für das Leipziger Neue Museum der Bildenden Künste vergleichen wir mit den spätantiken Mosaiken aus Ravenna, den Darstellungen des Kaisers Justinian und seiner Gattin Theodora nebst Gefolge.

    In der Rotthauser Kirche können wir vor Ort die spezifische Wirkweise einer Wandgestaltung aus Mosaik betrachten und entdecken. Wir werden den Unterschied zur Raumwirkung der gerasterten, gleichförmig angeordneten Kacheln im Bad oder der Küche einer Wohnung nachvollziehen, indem wir die Setzung der Steine untersuchen, die Art ihrer Einbindung prüfen, die Möglichkeiten entdecken, eine Bildform zu legen und mit anderen Formen zu verzahnen sowie die Abgrenzung der Formen mithilfe der Farbe der Steine und der Richtungsanordnung ihres Verlaufs. Wir untersuchen die Wirkung der rhythmisierte Fläche als vernetzte Formen im Unterschied zum gerasterten oder aus Bruchstücken erstellten Mosaik.

    Weitere Mosaikvarianten bilden neben der Architektur Antoni Gaudis in Barcelona auch die Betrachtung der Formcollagen des Bildhauers Tony Cragg aus den 80er Jahren als Anregung für eigene Bildvorhaben. Er spielt mit den Formen unterschiedlicher plastischer Gegenstände, vereint sie über ihr einziges gemeinsames Merkmal, die Farbe Blau und montiert sie – wie ein Mosaik - zu einer neuen, übergeordneten klaren Form auf einer großen Wandfläche als Mond zusammen.

    Solche Eigenheiten und Traditionen möchte ich aufzeigen und durch eigene Entwürfe und praktische Mosaikarbeiten nachvollziehen lassen. Wir haben die Möglichkeit, eine Wandgestaltung für die Schülertoiletten der Schule zu übernehmen. Als ersten Schritt werden wir uns den Toilettenraum und die Wand, die wir gestalten wollen, genau ansehen, d. h. die vorhandenen Farben, Formen und Materialien der Toiletteneinrichtung mit der Kamera notieren und die Wand vermessen. Dann werden wir über Bildmotive der Wandgestaltung nachdenken und maßstabsgetreue, farbige Entwürfe zeichnen und malen bzw. mit gerissenem, farbigem Transparentpapier collagieren. Ob wir einen großen Entwurf umsetzen oder jedes Kind einen kleineren Entwurf umsetzt, entscheiden wir je nach Fertigkeiten der Kinder. Ebenso mit welchem Material und welcher Setztechnik wir arbeiten wollen. Die Entwürfe werden dann auf eine Platte als Unterkonstruktion übertragen. Nun beginnt das Mosaiksetzen: Vor der Fixierung der Steine müssen wir die Kontrastwirkungen der farbigen Steine, die Ausrichtung der Steine als rhythmisierendes Element, ihre Linienführung sowie ihre Formsprache als einzelnes, kleines Element wie ihre Wirkung als zusammengefügte Formeinheit berücksichtigen.

    Die entstandenen Mosaike für unsere Toilettenräume werden wir unseren Mitschülern, Eltern, Lehrern einer Abschlußpräsentation zeigen und dem Schulleiter zur Montage in der Toilettenanlage übergeben.